Vollkommen

Alles, was ich hören kann, ist mein eigener Atem. So sehr ich mich auch anstrenge. Kein Vogel, kein noch so weit entfernter Verkehrslärm, keine Uhr, die tickt, keine Zeichen auf Zivilisation, kein Grundrauschen, das sonst immer irgendwo zu hören ist.

Erst ist es gruselig und ich merke, wie mein Atem hektischer wird. Mein Herz schlägt schneller und ich meine, auch mein Herz schlagen zu hören. Ich suche verzweifelt mit aller Anstrengung nach Geräuschen.
Nichts.
Ich konzentriere mich auf mein Atmen. Auf den Untergrund, auf dem ich liege. Auf die Wärme, die der Boden abstrahlt. Auf den Luftzug, der meine Zehen umspielt. Auf die Kraft der Sonne, die langsam am Horizont verschwindet. Auf die letzten Sonnenstrahlen, die auf mir entlanglaufen und mich wohlig wärmen.

Und dann passiert es: ich werde ganz ruhig. Die Zeit scheint stillzustehn und in mir ist nichts als Frieden. Der Sturm steht still, der Atem geht langsam und gleichmäßig.

Ich liege mitten in der Wüste Jordaniens, im Sand, der den ganzen Tag von der Sonne aufgewärmt wurde und bin einfach nur da.

Bin nicht im Morgen, nicht im Gestern, sondern einfach nur hier, in mir, im Moment, dankbar und vollkommen.

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