„Ich muss nur noch kurz Psychologie studieren.“ Warum wir loslegen müssen, bevor wir uns bereit fühlen

Ich kann noch nicht loslegen, weil…

…ich noch nicht richtig ausgebildet bin.
…ich das noch nie beruflich gemacht hab.
…ich das ja nur (seit 15 Jahren) als Hobby mache.
…ich noch keine Ausbildung/Meister/Master/Doktor/Professor in dem Gebiet hab
…andere viel mehr zu dem Thema wissen als ich.
…es noch tausende Bücher zu dem Thema gibt, die ich alle nicht gelesen hab.
…ich noch überhaupt keine praktische Erfahrung gesammelt hab.

Und so weiter und so weiter.

Ich höre diese Selbstzweifel immer wieder und bin auch selbst ein Meister der Zweifel. Meistens kommen Frauen zu mir, die großartig ausgebildet, talentiert und fachlich mehr als bereit sind, ihr Wissen und ihr Können auf die Straße zu bringen. Und meistens hätten sie das auch schon vor Jahren tun können. Stattdessen aber verbringen sie Jahr um Jahr mit Weiterbildungen, noch einem Seminar, noch einem Fachbuch und noch mehr Webinaren. Warum das Quatsch ist und wie du den Drang nach noch mehr Wissen austricksen kannst, liest du hier.

Warum wir uns immer weiter bilden wollen

Wenn du glaubst, auf dem richtigen Weg zu sein, wenn du Anlauf geholt hast und kurz vorm Abheben bist, dann ist sie zu hören, diese Stimme, die dir sagt: „Was glaubst du eigentlich wer du bist? Bist du wahnsinnig? Sie werden alle erkennen, dass du nicht gut genug bist!“

Es ist die Angst, die uns zurückhält und evolutionär betrachtet ganz sicher auch schützen will vor allzu gefährlichen Entscheidungen. Die aber auch sehr, sehr hinderlich sein kann, wenn wir wirklich etwas wagen und uns eigentlich raustrauen wollen aus unserer Komfortzone. Wir verfallen in Perfektionismus und im schlimmsten Fall hindert uns der daran, überhaupt zu starten. Das ist so schade und vor allem unnötig. Denn:

Perfektionismus ist die Garantie für dein Unglück

Ich bezeichne mich wie Brené Brown als „recovering perfectionist“, übersetzbar als „abstinente Perfektionistin“. Denn ich war gefangen in dem Gedanken, erst richtig, ausreichend, gut zu sein, wenn ich nur besser aussähe, besser in diesem oder jenem wäre, besser ausgebildet wäre und so weiter. Dann würde ich endlich das Gefühl haben, „fertig“ zu sein, ich würde glücklich werden und dann endlich das Leben leben, das ich schon immer führen wollte.

Aber ich hab Neuigkeiten: ich werde nie perfekt sein und auch du wirst nie an den Punkt kommen, an dem du dich perfekt ausgebildet fühlst und das perfekte Business, das alle glücklich macht, gibt es auch nicht. Perfektionismus hält dich nur davon ab zu starten, weil du Angst hast, nicht gut genug zu sein.

 

Deshalb mein Rat: Trau dich!

Starte und lerne aus deinen Fehlern. Wenn du nicht gerade Herzchirurg bist oder deine Fehler sonstwie tödlich enden können, dann leg los, verdammt nochmal. Mach deinen potentiellen Kunden klar, was du zu bieten hast, wie du ausgebildet bist und warum sie dich auswählen sollten. Mach deine Preise transparent und lass die Kunden entscheiden, welche Leistung sie einkaufen wollen.

Und wenn die Angst partout nicht weggehen will, kann vielleicht diese großartige Meditation von Laura Seiler helfen, die mich sehr berührt hat. Probiers aus!

 

Für die ganz harten Zweifler

Und für den Fall, dass du dir sicher bist, die Ausnahme zu sein. Diejenige, deren Angebot aber wirklich noch nicht ausgereift und deren Kenntnisse noch nicht ausreichend sind. Diejenige, die ganz sicher als Scharlatan, Dilettant und Möchtegern entlarvt wird, dann

Lass dein Angebot überprüfen

Such dir eine Mastermind-Class, einen Coach oder eine Mentorin, die du bewunderst und die schon da ist, wo du einmal sein willst bitte sie um konstruktive Kritik. In den meisten Fällen werden sie dir raten, an den Start zu gehen. Dann aber bitte mit Rückgrat und selbstbewussten, realistischen Preisen. Denn warum Billigpreise nicht funktionieren, weißt du ja jetzt.

Und noch eine Bitte

Lass nicht deine Eltern, deinen Partner oder die beste Freundin den Wert deiner Arbeit beurteilen, sondern suche dir Branchenkenner mit dem Mindset, das du brauchst. Die Kritik wird in jedem Fall wertvoller und konstruktiver sein.

 

Ich wünsch dir ganz viel Erfolg und freue mich wahnsinnig, wenn du in den Kommentaren mit uns teilst, welches Studium du demnächst anfängst was dich zurückhält.

 

Herzliche Grüße

Sarah

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  • Liebe Sarah, jetzt fühle ich mich aber schon ein wenig ertappt… Aber das Gute ist, dass ich schon vor einiger Zeit genau das getan habe, was Du vorschlägst und wenn ich es nicht getan hätte, dann wäre ich vermutlich immer noch nicht selbstständig: ich habe einfach angefangen. Und ich habe gemerkt, es funktioniert! Und es tut auch gar nicht so weh, wie gedacht.
    Ich habe da sicher auch viel von den Amerikanern gelernt, die insgesamt sehr viel lockerer mit dem Thema umgehen. Dort habe ich Kollegen gehabt, die erst in der Qualitätssicherung eines Saatgutherstellers gearbeitet haben und dann mal eine Tankstelle aufgemacht und dort gearbeitet haben. Und keiner fand das merkwürdig. Und wenn da was schiefgeht und mal ein Plan nicht aufgeht, dann ist es eben so und keiner schaut einen deswegen komisch an. Man wird eher dazu beglückwünscht, es probiert zu haben.
    Ich finde es auch immer spannend zu sehen, dass es ganz vielen Leute so geht und dass fast alle unter dem Hochstapler-Syndrom leiden. Und wenn andere sich auch als Hochstapler fühlen, aber es für mich nach außen hin trotzdem super aussieht, was die da machen, dann wird das bei mir ja vermutlich ähnlich sein. Darauf baue ich und lass das mit dem Psychologie-MBA-Doktor-Studium dann jetzt doch mal sein!

    • Liebe Julia, vielen Dank für deinen Kommentar.
      Da bin ich froh, dass ich dich nicht an ein Studium verlieren 😉
      Und Hochstapler-Syndrom ist sein sehr schönes Wort!
      Liebe Grüße
      Sarah