Ich bin dankbar und das macht mein Leben besser

„Das ist doch naiv!“ meine ehemalige Kollegin ist entrüstet, ihr Gesicht wird rot und ihre Gesten groß. „Du kannst doch nicht ernsthaft nur die guten Seiten in deinem Leben betrachten und die negativen ausblenden. Das ist ja, als ob du dir nur die Rosinen aus dem Kuchen rauspickst.“ Ich lächle.
Denn ich mag gar keine Rosinen.

Aber ich verstehe natürlich, was sie meint.
Bei vielen, denen ich von der Idee erzähle, dankbarer zu sein, meinen Fokus auf das Positive in meinem Leben zu richten und dem Negativen nicht mehr so viel Beachtung zu schenken, verursache ich erstmal Irritation.
Das finde ich spannend, denn mit mir und der Dankbarkeit hat es gleich „Klick“ gemacht und ich fand die Idee so überzeugend, dass ich sie – anders als bei mir üblich – ohne zu zweifeln in mein Leben eingebaut hab. Wie ich das gemacht habe und wie sich mein Leben dadurch verbessert hat, lest ihr hier:

So habe ich Dankbarkeit in mein Leben eingebaut

Gratitude-Journal | Dankbarkeits-Tagebuch

Seit einigen Monaten führe ich – wieder – ein Dankbarkeits-Tagebuch. Das hab ich schonmal gemacht und jetzt wieder für mich entdeckt.
Darin notiere ich jeden Morgen drei Dinge, für dich ich dankbar bin. Oder besser: für die ich Dankbarkeit empfinde. Denn auch hier gilt: es geht nicht darum, was du denkst, was von dir erwartet wird, es geht nicht um das Außen. Es geht vielmehr darum, in dich hinein zu hören und zu spüren, was dich wirklich dankbar macht.
Inzwischen habe ich neben meinem Tagebuch, in dem ich Alltagsszenen und ausführlicheres festhalte, vor allem diese App, mit der ich meine täglichen Dankbarkeitsnotizen festhalte. Super easy, schnell gemacht und sehr hilfreich.

 

Dankbarkeitsmeditation

Darum geht es auch in meiner Dankbarkeitsmeditation, die eigentlich eine Achtsamkeitsmeditation ist. Zu festen Zeiten in meinem Alltag versuche ich, für ein paar Minuten zur Ruhe zu kommen. In diesen Meditationen geht es vor allem darum, im hier und jetzt und bei mir anzukommen und als Teil davon konzentriere ich mich auch immer auf eine Sache, die ich morgens notiert habe. Ich greife eins der Dinge heraus, für die ich dankbar bin und konzentriere mich nur darauf. Am Samstag zum Beispiel war ich so dankbar, dass ich meinen Tag damit beginnen konnte, mit meinem Patenkind und meinem Hund im See zu schwimmen. Diese Situation hab ich mir nochmal in allen Einzelheiten aufgerufen. Wie die Sonne uns gewärmt hat. Wie schön kühl und klar das Wasser war. Wie mein Patenkind so schön gelacht und gegluckst hat. Wie glücklich ich war, dabei zuzusehen, wie mein Hund voller Freude und Energie ins Wasser läuft. Hach. Ich hab ein schönes Leben.
Zusätzlich zu diesen festen Meditationen versuche ich, mir ein paar wenige Minuten bei alltäglichen Aufgaben zu nehmen um mir bewusst zu machen, was ich gerade tue und wofür ich dankbar bin. Das sind dann wirklich Kleinigkeiten. Gestern zum Beispiel hab ich einen Teig geknetet, der sehr an meinen Fingern geklebt hat. Ich musste lachen, weil es so eine Sauerei war und fühlte mich sehr an meine Kindheit erinnert. An das Kochen und Backen mit Mama und Oma. Und dann ist der Teig zu einem ganz wunderbar knusprigen Pizzaboden geworden. Ich war sehr dankbar für das lustige Gefühl an meinen Händen, für den Moment der Erinnerung, die dadurch ausgelöst wurde und ganz besonders für meine schöne Kindheit. Und ist es nicht großartig, was wir mit ganz wenigen Zutaten und unseren eigenen Händen schaffen können?! You see: dankbar sein ist ganz einfach und wunderschön.

 

mehrgutezeit.de Die vier Versprechen

Sprich nicht schlecht von anderen – denk nicht mal dran!

Inspiriert von den Vier Versprechen und der großartigen Brené Brown hab ich mich dafür entschieden, nicht mehr schlecht über andere zu reden, ja nicht mal mehr schlecht von ihnen zu denken, sondern gerade für anstrengende Menschen dankbar zu sein.
Egal wer mir auf den Keks geht, offensichtlich auf Krawall aus ist oder mir sogar Böses will: ich versuche hinter die Fassade zu blicken und wohlwollend anzunehmen, dass er oder sie sein/ihr Bestes gibt und ich aus der Auseinandersetzung mit diesem Menschen lernen kann.
Beispiel gefällig? In meinem Bekanntenkreis gibt es eine junge Frau, die in ihrer Art sehr fordernd, oft anstrengend und zuweilen unverschämt ist. Sie versucht ganz offensichtlich, Freunde gegeneinander auszuspielen und ist chronisch unzufrieden. Alle Versuche, mit ihr zu sprechen, sind fehlgeschlagen (ernsthaft, ich bin fast wahnsinnig geworden!) und ohne ins Detail gehen zu wollen: Ein vollständiger Kontaktabbruch ist zum aktuellen Zeitpunkt nicht möglich und meines Erachtens bräuchte sie professionelle therapeutische Hilfe.
Statt mich über sie aufzuregen und hoch und runter zu meckern, was sie wieder getan hat, wie sehr mich das nervt und dass man das so aber nicht macht, hab ich entschieden, dankbar für sie zu sein.
Dankbar dafür, dass sie mir zeigt, wie ich nicht (mehr) sein will. Nicht mehr unzufrieden, missgünstig und unsicher. Dankbar dafür, dass sie mir meine Grenzen aufzeigt und mir die Chance gibt zu erkennen, welchen Raum ich brauche und wie ich ihn abstecken kann. Dankbar dafür, dass sie mich dazu bringt zu reflektieren, wo meine eigenen Schwächen liegen. Und dankbar dafür, dass ich Hilfe annehmen kann, wo sie (noch) keine zulässt.

 

Das hat sich durch den Fokus auf Dankbarkeit verändert

Weniger selbstgebaute Hürden auf meinem Weg, dafür mehr Zufriedenheit, Gelassenheit, Glück und Energie

Nochmal zurück zum klebrigen Pizzateig: Vor einigen Monaten hätte ich die gestrige Situation anders geschildert. Ich hätte euch folgendes erzählt: Eigentlich wollte ich gestern ganz entspannt Pizza machen. Mein Mann hatten aber mittags wenig gegessen und schon großen Hunger, deshalb musste es schneller gehen als gedacht. Stressig, zumal dann auch noch meine Hefe verschimmelt war und – natürlich – auch keine Trockenhefe mehr im Haus. Dabei hab ich die eigentlich IMMER da. Aber in dieser kleinen, vollgestopften Küche findet man ja auch nichts.
Also musste ein anderes Rezept her, wenigstens hatte ich noch Backpulver. Das Rezept kann aber so nicht stimmen, der Teig klebt total und ist überhaupt nicht zu verarbeiten. Na klasse.

Ich glaube, der Unterschied wird klar. All diese Dinge sind genau so gestern passiert. Die Hefe war schlecht, die Trockenhefe nicht da und der Teig zunächst mal eher schwierig zu verarbeiten. Mit einer kleinen Verschiebung des Fokus weg von den Schwierigkeiten, hin zum Gefühl an meinen Händen und was das auslöst, ist aber eine ganz andere Geschichte daraus geworden. An mehreren Stellen in der Geschichte ist mir auch gestern in den Sinn gekommen, einfach alles hin- bzw. den Teig wegzuschmeißen. Und vor ein paar Monaten hätte ich auch noch kapituliert vor den scheinbar übermächtigen Hürden. Alles zu viel, nichts klappt, schlecht organisiert, selbst schuld, bist zu nichts zu gebrauchen. Das wäre meine Gedankenspirale gewesen, die zu viel schlechter Laune geführt hätte.
Ich bin unglaublich dankbar, dass ich inzwischen anders gepolt bin. Ich kann diese „Probleme“ inzwischen als das sehen, was sie sind: Chancen, umzudenken, etwas anders zu sehen und neues zu entdecken. Und mal ehrlich: wenn der Worst Case Tiefkühlpizza ist, dann ist mein Leben echt in Ordnung.

 

Bessere Gespräche

Gerade im Austausch mit anderen passiert es allzu leicht, dass wir anfangen uns zu beschweren, zu jammern, lästern und vergleichen. Achte mal bewusst darauf: Ganz oft erzählen Menschen dir was Positives und relativieren es dann ganz schnell. „Ja, doch, der Urlaub war super. Aber nächstes Mal buchen wir ein anderes Hotel. Im Nachbarhotel war der Pool deutlich schöner.“
Du erinnerst dich an meine anstrengende Bekannte, von der ich weiter oben erzählt hab? Natürlich war und ist auch sie im Freundeskreis immer wieder Thema und natürlich wird über sie gemeckert und schlecht geredet. Ich hab mich da inzwischen rausgenommen. Das bedeutet zum einen, dass ich negative Gedanken an sie nicht mehr ausspreche und für mich hinterfrage, welche Emotionen sie bei mir hervorruft und was ich daraus lernen kann. Zum Anderen breche ich solche und andere Meckergespräche aber auch bewusst ab, wechsle das Thema oder versuche – je nach Gesprächspartner – gemeinsam das Positive in den Vordergrund zu stellen.
Das sorgt für andere und deutlich schönere Gespräche, die glücklich machen statt anzustrengen. Ich bekomme in letzter Zeit ganz oft die Rückmeldung, dass Gespräche mit mir guttun und Energie geben. Bestes Kompliment ever!!

 

Tolle Menschen in meinem Leben

„Was du ausstrahlst, das ziehst du an“
Das ist mit Sicherheit der tollste Nebeneffekt meines Fokus auf Dankbarkeit und Positives. Ich lerne gerade so viele tolle Menschen kennen und treffe Menschen wieder, die (inzwischen) richtige Energiespender sind und mich mega glücklich machen.
Umgekehrt fühlt es sich auch gerade sehr richtig an, dass ich zu einigen meiner „Freunde“ weniger Kontakt habe. Die Rosinen-Kollegin vom Beginn des Beitrags zum Beispiel. Schon lange hab ich mich nicht mehr gern mit ihr getroffen, weil ich hinterher immer so schlecht gelaunt war und sie alles so negativ sieht. Jetzt hab ich offensichtlich die Treehugger-Karte überstrapaziert und unser Kontakt schläft nach und nach ein. Gut so, denn keine wird die andere vermissen und wenn wir mal auf derselben Wellenlänge sind, treffen wir uns sicher wieder und sind dankbar für die Pause.

 

So it is not happiness that makes us grateful. It’s gratefulness that makes us happy.

David Steindl-Rast

 

 

(Literatur)empfehlungen

Gratitude Diaries von Janice Kaplan

Janice Kaplan beschreibt in ihrem Buch, wie sie Dankbarkeit in ihr Leben integriert hat und was es für sie veränderte. Gibts unter dem schönen Titel „Das große Glück der kleinen Dinge“ ab Oktober auch auf deutsch. Darin auch viel zu wissenschaftlich belegten positiven Effekten der Dankbarkeitspraxis auf die Gesundheit.

City of Oaks Publishing

Schöne Anregungen zum Starten eines Journals und viele Infos über ganz unterschiedliche Arten ein Tagebuch zu führen, gibt es gerade auf der Facebookseite von City of Oaks Publishing, dem Verlag zweier großartiger Frauen.

 

TED-Talks zum Thema Dankbarkeit

Bisschen schwer zu verstehen aber inhaltlich sehr stark:

 

Mehr zu Positiver Psychologie und wie dankbar sein psychologisch wirkt:

 

HINWEIS:
Die meisten der hier enthaltenen Links sind Amazon-Partnerlinks. Kannste nutzen, musste nich. Wenn du die Bücher über diesen Link bestellst, erhalte ich von Amazon einen kleinen Gewinnanteil. Für dich entstehen natürlich keine zusätzlichen Kosten.

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  • Liebe Sarah,
    wie schön, wahr, lehrreich und wunderbar. Danke, dass du mir mit deinem Blog einen guten Start in den Tag ermöglicht hast! Diese Gedanken sind wirklich vorbildlich und ich zweifle keine Sekunde daran, dass das verinnerlichen das Leben nachhaltig verändert. Ich werde auf jeden Fall regelmäßig vorbeischauen und wünsche dir, dass du ganz lange… Am besten für immer… Auf diesem Weg bleibst.
    Umarmung… Simone

    • Oh Simone, ich danke dir ganz herzlich! Ich weiß deine Worte sehr zu schätzen und hab ein bisschen Tränchen in den Augen.
      Bis ganz bald!
      Sarah

  • Meine liebste Sarah,

    weil dein Blog die Dankbarkeit behandelt, muss ich dir nun mal Danke sagen:
    wir kenne uns zwar noch nicht lange, aber Hoppster-sei-Dank, haben wir den Weg in unser beider Leben gefunden. Ich bin sehr dankbar, Menschen wie dich kennen zu DÜRFEN, denn Du bist eine echte Bereicherung für mein Leben. Nach jedem Gespräch, das wir bisher geführt haben, hatte ich, trotz doofer Jobsituation und mangelndem Selbstbewusstsein, jedes Mal das Gefühl: „Mensch, die Sarah hat so recht!“ Lange Rede, kurzer (aber tiefer) Sinn: DANKE für alles, was du bisher (bewusst oder unbewusst) für mich getan hast! Du bist ein einzigartiger Mensch, und das Wichtigste: dein Herzchen sitzt am richtigen Fleck! Danke, für deine Freundschaft! Deine Anni